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Vor 10 Jahren ...

... hieß es Ärmel hochkrempeln und mit voller Kraft voraus! Ganz wörtlich - denn damals waren wirklich kräftige Jungs gefragt, die aus der Fachoberschule Tische herausschleppten und auf Hans Schöppls "Tieflader" wuchteten; dann ging es mit Volldampf Richtung Siemens. Grund für diese etwas ungewöhnliche Aktion war die Ausrichtung der Oberpfalzmeisterschaften in der Saison 1987/88 durch die SGS. Und da gab es, besonders was die Titelkämpfe in der Karwoche betraf, einiges zu tun. Weil uns das Casino nicht zur Verfügung stand, spielten sich M II und M III im Ausbildungszentrum ab, und das dort vorhandene Mobiliar erwies sich leider nicht als turniertauglich. Also, wie schon erwähnt, ab zur FOS und her mit den dortigen Tischen. Diese Schinderei heilte uns von allen Gelüsten, nochmals die Oberpfalzmeisterschaften auszurichten.

Eigentlich schade, denn vom sportlichen Standpunkt aus gesehen ist es durchaus reizvoll, solche Veranstaltungen in heimischer Umgebung zu erleben. Insbesondere, wenn sich auch noch der Erfolg einstellt, wie bei Gerry Rösch, der die M II als "Vize" beendete. Heißer Anwärter darauf war auch Lutz Kampmann, bis ihn die Schlußrunden-Null gegen Schwarzmeier auf Rang sieben zurückwarf. Noch ein kurzer Blick bitte auf Platz 25: Dort landete ein 15jähriger Debütant namens Andreas Rupprecht...

Die M I machte damals eine Abmagerungskur; nur zwölf Teilnehmer "vergnügten" sich abseits der großen Masse im Siemens-Sportheim. Überragender Akteur war Reinhard Blodig, der ungeschlagen blieb und in der Abschlußtabelle einen Zähler vor Günther Hüttl und dem Kelheimer Manfred Renner rangierte. Extraklasse demonstrierte auch Markus Fischer in der M II, der in acht Partien lediglich ein einziges Remis (gegen Lutz Kampmann!) abzugeben beliebte und mit komfortablen zwei Punkten Vorsprung alle in die Tasche steckte. Den Sieg in der M III heftete Josef Riedl an die Sulzbacher Fahne; als besten Amberger notierten wir hier Gernot Sofic, und zwar auf Position 42.

Schon vorher waren die beiden Blitzmeisterschaften in Amberg über die Bühne gegangen. Der Einzelwettbewerb wurde eine Beute der Regensburger und Kelheimer Blitzer, nur vier Oberpfalz-"Nordlichter" kamen in das 16er-Feld des A-Finales. Den Titel des "Nord-Oberpfälzer Meisters" teilten sich Gerald Rösch und Lutz Kampmann - gesamt-oberpfälzisch bedeutete dieses Ergebnis leider nur Rang 11/12. Die Siegertrophäe holte sich Robert Mandl, gefolgt von seinem Vereinskameraden Klaus Herzog. Was ein echter Blitzer ist, der kriegt so schnell nicht genug, dachten sich Richard Schreiner, Fritz Eichenseer und Ernst Wasl, und es dauerte noch fast eine Stunde, ehe Schreiner nach fünf Stichkämpfen endgültig den dritten Platz ergattert hatte. Das Mannschaftsblitzturnier um den Silberschild dominierten die Fortunen mit 22:0 Punkten wieder einmal überdeutlich und sahnten die Goldmedaillen ab (ja, die gab's tatsächlich!), während die SGS - mit Rösch, Reindl, Neumann und Wiesgickl - Vierter wurde. (Doch leider nur im B-Finale.)

Jetzt aber genug mit den Oberpfalzmeisterschaften. Die traditionellen Amberger Schachaktivitäten traten zwar etwas in den Hintergrund, boten aber ebenso manches Erfreuliche, und das werden wir natürlich schonungslos ans Licht zerren.

Zunächst unsere I. Mannschaft: Hier gab es das gewohnte Auf und Ab, jedoch aufgrund der allgemeinen Ausgeglichenheit in der Oberpfalzliga reichten 9:9 Punkte zu einem hervorragenden dritten Platz. Na, da wäre doch für's nächste Mal was drin, oder? Den Vogel aber schoss 1988 unsere "Zweite" ab. Durch ein 6:2 im Entscheidungsspiel gegen den TSV 1880 Schwandorf gelang der ersehnte Aufstieg in die Bezirksliga. Maßgeblichen Anteil daran hatte Neuzugang Peter Broszeit mit 7 aus 9 am Spitzenbrett, aber auch Günter Renner (6/8), Joe Ferstl (7/8) und Gerhard Franz (7/9) wüteten gewaltig unter den Gegnern. Als Ersatzmann trat dann noch Andreas Rupprecht auf den Plan, der in seinen insgesamt sieben Einsätzen in der II. und III. Mannschaft ebenso viele volle Punkte einfuhr. Der "Dritten" halfen seine Siege leider wenig, denn sie musste nach einer 3,5:4,5-Stichkampfnieder­lage gegen den SV Neustadt/Altenstadt die Kreisliga I in Richtung "Keller" verlassen.

Bleiben wir noch ganz kurz bei Ruppi, der sich auch auf Oberpfalzebene als Dritter der B-Jugend-Meisterschaft erste Meriten verdiente und in die Oberpfalzauswahl berufen wurde. Weiter müssen wir Günter Renner erwähnen, der eine tolle Saison hinlegte. Mannschaftsergebnis: siehe oben, Weihnachtsblitzturnier: Erster, Kurt-Deutscher-Blitztur­nier: Erster, Gruppe B der Amberger Stadtmeisterschaft: auch Erster. Was wäre gewesen, wenn Günter in der Gruppe A gestartet wäre? So holte sich Altmeister Schorsch Böller seinen bislang letzten Stadtmeistertitel (vor Broszeit und Piecha) in überzeugender Manier, ohne eine Partie zu verlieren. Letzteres gelang ihm schon im Jahr zuvor, aber da waren's ein paar Remisen zuviel, um ganz vorne zu landen. Rechnet man das Jugendturnier, das der inzwischen tödlich verunglückte Stephen Kaulbach gewinnen konnte, hinzu, traten 31 Spieler bei der Stadtmeisterschaft an! Und es gab damals wenigstens nur zwei Rücktritte.

Damit beenden wir die Punkte und Platzierungen; jetzt gibt's Kultur. Und zwar begeben wir uns zum Abschluss auf eine Reise nach Ungarn, das heißt, wir blicken zurück auf die Einladung des Schachclubs in Tatabanya. Sicherlich haben Sie noch die Ausgabe der "Amberger Zeitung" vom 23. August 1988 griffbereit; dort können Sie alle Einzelheiten dieser schönen Woche nachlesen. Sollte der eine oder andere nicht mehr im Besitz dieses Presseerzeugnisses sein - macht nichts, hier das Wichtigste in Kürze.

Imre Oravecz und seiner Bekanntschaft mit FIDE-Meister Laszlo Kosa war es zu verdanken, dass dieser Besuch über­haupt zustande kam. Der SC Tatabanya, der 2. ungarischen Liga angehörend, lud die Amberger sowie den SC Berlin-Neukölln für eine Woche nach Ungarn ein, um dort Land und Leute kennenzulernen und selbstverständlich auch ein bisschen Schach zu spielen. So machten sich Imre Oravecz, Hans Schöppl, Lutz und Siegbert Kampmann, Jürgen und Angela Paskuy, Günter Renner, Georg Böller und Ewald Mayer auf die 700 km lange Reise. Der schachliche Teil war diesmal der weniger wichtigere, aber es sei doch erwähnt, dass die Amberger in den beiden Vergleichskämpfen gegen die Gastgeber mit 3:3 und 3,5:2,5 erfolgreich abschnitten, und beim großen abschließenden Blitzturnier wurde Imre Oravecz Zweiter. Daneben war ein umfangreiches Rahmenprogramm geboten, das Tibor Reczey, seines Zeichens Präsident des Schachclubs Tatabanya, und der leitende Sekretär Jozsef Füresz für die Gäste zusammengestellt hatten. Zunächst besichtigte man das Bergwerksmuseum in Tatabanya; die Geschichte der Stadt ist sehr stark durch den Bergbau geprägt. Am nächsten Tag ging es nach Budapest, der herrlichen ungarischen Hauptstadt, mit dem Besuch der Krönungskirche, der Nationalgalerie und des Heldenplatzes mit dem Jahrtausenddenkmal. Zwei Museen in Tata, ein Einkaufsbummel in Budapest und ein Fußballmatch des Erstligisten Tatabanya rundeten das Programm ab. Der Abschied fiel allen recht schwer, aber zwei Jahre später sah man sich ja bekanntlich in Amberg wieder!

Lang ist diesmal der Rückblick ausgefallen, sehr lang. Sicherlich wird der Bericht im kommenden Jahr wieder kürzer. Das heißt aber nicht, dass es dann nichts Erfreuliches zu erzählen gäbe...

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