Auch die Schachsparte der SG Siemens Amberg konnte sich in die Feierlichkeiten zum Jubiläumsjahr der Stadt Amberg einbringen: Zum zweiten Mal nach 2003 richtete sie den "Bayerischen Problemschachtag" aus. Wolfgang Reindl von der SGS freute sich besonders, den Bayerischen Referenten für Problemschach, Georg Böller aus Hirschau, sowie Bürgermeister Michael Cerny als Vertreter der Stadt begrüßen zu können. Ausgehend von der 975-Jahr-Feier wies Reindl darauf hin, dass es nun schon seit 97 ½ Jahren Schachvereine in Amberg gibt.
Leider hatten einige Schachproblem-Experten ihre Teilnahme abgesagt, so dass nur 14 Teilnehmer den Weg ins Siemens-Sportheim fanden. Unter diesen war auch der Amberger Problemkomponist Heinz Däubler, der den Lesern der Schachecke der"Amberger Zeitung" bestens bekannt sein dürfte und inzwischen auch zwei viel beachtete Bücher über Schachprobleme verfasst hat.
Im Vergleich zu denen, die sich dem Schachspiel in der geläufigen Form widmen, bilden die echten "Problemisten" eine Minderheit. Beim Schachproblem handelt es sich um eine künstlich erdachte Stellung, verbunden mit einer Forderung "matt in x (meist zwei, drei oder vier) Zügen". Aufgabe des Lösers ist es, den einzigen Zug, der diese Forderung - auch bei bester gegnerischer Verteidigung - erfüllt, zu finden. Meist handelt es sich um einen ganz versteckten Zug, den der Partiespieler überhaupt nicht in Erwägung ziehen würde.
Neben dem eigentlichen Schachproblem gehört hierher gleicherweise die - auch für die praktische Partie bedeutsame - Endspielstudie, bei der der schmale Weg zum Gewinn oder zum Remis aufgespürt werden muss.
Im ersten Teil der Veranstaltung standen drei Vorträge auf dem Programm. Zunächst präsentierte Heinz Däubler einige Kostproben aus seinem neuen Buch und schilderte, wie er vor vielen Jahren im Schachklub Hof erstmals mit dem Problemschach in Berührung kam. Anschließend stellte Wolfgang Reindl den Anwesenden Leben und Werk von Rudolf Willmers (1821-1878) vor, einem erstklassigen Konzertpianisten, der nebenbei äußerst schwierige Schachprobleme geschaffen hat. Schließlich zeigte Georg Böller einige Endspielstudien aus früheren Jahrhunderten. Die Lösungswege galten damals als sensationell, heute gehören diese Strategien zum Standardwissen jedes guten Schachspielers.
Im Anschluss an die Referate fand ein kleines Löseturnier statt. Ähnlich wie bei offiziellen Meisterschaften im Problemlösen - bei dieser Disziplin zählt Deutschland mit zur Weltspitze - waren hier sechs Aufgaben in 90 Minuten zu bewältigen. Wolfgang Reindl hatte eine leichte, vier mittelschwere und eine schwere Komposition ausgesucht, wobei sich letztere, ein Preisproblem aus dem Jahr 1883, als extrem harte Nuss erwies. Heinz Däubler und Jürgen Paskuy waren die besten Löser und erzielten je 34 von 50 möglichen Punkten, Dritter wurde Gerd Wiesgickl mit 17 Zählern. Für alle fünf Teilnehmer des Turniers gab es Buchpreise, die Georg Böller gestiftet hatte. Auch Aufgabensteller Wolfgang Reindl durfte sich über ein solches Geschenk freuen.