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Wie gerne erinnern wir uns zurück an das goldene Zeitalter der Ingo-Zahlen. Ein klares System, von jedem durchblickt - und dann war da noch die magische 100er-Grenze. Nicht vielen in unserem Verein war es vergönnt, diese Marke dauerhaft zu unterschreiten.
Zu dieser Zeit war es, da sich noch ein weiteres, entfernteres, ungleich größeres Ziel bot: die ELO-Zahl. Mit ihrer Einstiegssphäre von 2200 für uns alle in unendlichen Weiten verborgen.
Doch wie es so ist, haben wir uns ein paar Unsitten aus dem Osten angeeignet: Ist ein Ziel nicht erreichbar, wird es einfach nach unten korrigiert. Dies kann natürlich nicht abrupt geschehen, sondern muss durch einen mehrstufigen Plan verschleiert werden: Frisch an's Werk!
Zuerst einmal musste die vom Volk liebgewonnene Ingo-Zahl dran glauben und wurde durch die nebulöse Deutsche Wertungszahl (DWZ) ersetzt. Wie undurchsichtig die DWZ wirklich ist, zeigt das im Internet veröffentlichte Zahlen-Wirrwarr. Immerhin hat man jetzt die Möglichkeit, seine Wertungszahl auf internationalem Level zu vergleichen. Hier das patente Umrechnungsrezept:
TA = Turnieranzahl
E = Entwicklungsfaktor
Entzückt von diesem ersten gelungenen Streich gingen die Macher mit großem Elan daran, die Gleichmacherei zu vervollkommnen. Ganz klar, jeder braucht eine ELO-Zahl. Doch wie soll ein Zwerg am Hochsprung teilnehmen? Nichts leichter als das, man legt einfach die Latte tiefer, nämlich genau auf 2000. Dies sollte reichen, dass jeder, der regelmäßig Schach spielt, irgendwann einmal darüber rutscht und so für immer und ewig den ELO-Stempel trägt.
Jetzt aber, nach dieser kleinen Einleitung, zum eigentlichen Thema: Wer das oben Geschriebene aufmerksam studiert hat, dem dürfte nicht entgangen sein, dass es noch immer einer beträchtlichen Leistung bedarf, sich eine ELO über 2200 zu erspielen. Dies hat zur Folge, dass die Nomenklatur differenziert erweitert werden muss. Im Folgenden unterscheiden wir ELO-Träger (<2200) und ELO-Gott (>2200). Diese Bezeichnung ist der Mythologie entlehnt, denn wer gut spielt, muss mit dem Zorn der Götter rechnen.
Warum wir so ausschweifen?
Auch in unserem Verein weilt seit neuestem ein Elo-Gott (who the f... is Wiesgickl).
Unser ELO-GOTT.
Nix für ungut, doch wie kann ein 1800er den Olymp erklimmen. Ganz klar, ohne eine Riesenleistung geht das nicht. Doch es braucht schon noch ein bisschen mehr. Als angehender Gott kann man sich nämlich auch die niederen menschlichen Wesenszüge zunutze machen. So hat der Gerd seine Göttlichkeit in diversen Turnieren immer wieder aufblitzen lassen, ein fester Platz in der himmlischen Gilde blieb ihm jedoch verwehrt bis zu jenem sagenumwobenen Ereignis in Passau 1998: Dort traf er mit all seinem Wissen und all seiner Macht auf einen gewöhnlichen ELO-Träger. Dieser bot nichtsahnend in der Eröffnung und auch im Mittelspiel unserem Gottanwärter dreist die Stirn, was dessen Zorn heraufbeschwören musste. Das ständige Aufbäumen gegen die göttliche Macht kostete ihn schließlich so viel Kraft, dass er seinem menschlichen Instinkt folgend die alles entscheidende Frage stellte: "30 ham'mer, oder?" "Ja, schon!" Als kurz darauf seine Zeit abgelaufen war, meldete sich die göttliche Stimme: "Im Himmel spiel'mer fei bis zum 40-sten!" Darauf die nur all zu menschliche Reaktion: "Arschloch!"<
Der Gottanwärter nahm's gelassen, hatte er doch damit den endgültigen Aufstieg zum ELO-Gott geschafft (wenn auch als Gott der "Arschlöcher").
Herzlichen Glückwunsch zu Deiner phantastischen Leistung, Gerd (Elo 2227)! Wir hoffen, dass uns Dein göttlicher Beistand auf dem steinigen Weg des Vereinslebens noch lange begleiten mag.